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Deutscher Handelskongress: Einzelhandel blickt zuversichtlich auf das Weihnachtsgeschäft
Auf die Einladung des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels zum Handelskongress kamen in diesem Jahr 1000 Händler und Hersteller in die Bundeshauptstadt. Auf das Weihnachtsgeschäft blickt der Verband optimistisch – für das nächste Jahr erwartet er jedoch Rückgänge.
Die Prognose des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE) für 2008 bekräftigte HDE-Präsident Josef Sanktjohanser: "Unsere Jahresprognose liegt bei 1,5 Prozent nominaler Steigerung und ein Prozent real rückläufigem Einzelhandelsumsatz." Der Wirtschaftszweig gebe das Weihnachtsgeschäft nicht verloren, so der HDE-Präsident auf dem Deutschen Handelskongress im Estrel Hotel in Berlin. „Wenn wir die letzten Tage betrachten – und diese gehören ja bereits zum Weihnachtsgeschäft – dann erwarten wir ein ähnliches Ergebnis wie vergangenes Jahr“, erklärte Sanktjohanser gegenüber Zentralmarkt (siehe Interview mit zentrada.tv)
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Zuversichtlich stimme, dass bislang noch kein deutlicher Einbruch beim Einzelhandel als Folge der Finanzkrise festzustellen sei, sagte Sanktjohanser. Die Umsatzschwankungen entsprächen im Wesentlichen noch dem normalen Geschäftsverlauf. Der HDE-Präsident bekräftigte die Prognose seines Verbandes für das laufende Jahr. Danach wird ein nominales Umsatzplus von 1,5% erwartet. Das entspreche einem realen Minus von 1%, sagte Sanktjohanser.
Für das nächste Jahr erwartet der Einzelhandel jedoch Rückgänge, beziehungsweise allenfalls gleich bleibende Umsätze, da sich dann auch im Einzelnhandel die Auswirkungen der Finanzkrise spürbar mache. „Wenn wir im nächsten Jahr eine nominale Stagnation hätten, wäre das schon ein Erfolg", so der Präsident.
An Steinmeier appellierte der Handelspräsident deshalb, das Augenmerk auf die Belebung der Konjunktur zu richten: „Alle Budgetspielräume für die Konjunkturbelebung sollten zur Senkung der Einkommensteuertarife genutzt werden.“ Es müsse mehr Netto vom Brutto geben. Deshalb müsse Schluss sein mit der kalten Progression. Das führe zu einer Anhebung der verfügbaren Einkommen für die mittleren Einkommensbezieher und Erwerbstätigen. In dieser Frage, so Sanktjohanser, „wünschen wir uns von der Politik die gleiche Weitsicht und Entschlossenheit wie bei dem Rettungspaket für die Banken.“ Subventionen lehnte Sanktjohanser ab: „Der Einzelhandel will keine konsumstützenden Direktsubventionen und demzufolge lehnen wir auch Subventionen für andere Wirtschaftszweige ab.“ Stattdessen solle die Bundesregierung die Sozialabgaben senken.
Enttäuscht zeigte sich der Handelspräsident von der Unternehmensteuerreform. Der kardinale Webfehler dieses Reformgesetzes bedeute für den Einzelhandel einen übermäßigen Anstieg der Besteuerung von Kostenbestandteilen wie Mieten, Pachten und Leasing, so Sanktjohanser. „In diesem Punkt haben wir Händler das Vertrauen in die steuergerechte Gestaltungskraft der Bundesregierung verloren.“ Er versprach aber, dass der HDE „nicht aufgeben wird, diese Steuerungerechtigkeit der Substanzbesteuerung mit vielfacher Bedrohung vor allem mittelständischer Existenzen zu bekämpfen."
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Erfolgreiche Händler ausgezeichnet
Höhepunkt der Veranstaltung war die Verleihung des Deutschen Handelspreis in der Kategorie Mittelstand sowie Konzerne.
Letzterer ging an die Verlagsgruppe Weltbild GmbH. Das Unternehmen ist Systemführer im Buchhandel und im Medien-Onlinehandel. Weltbild hat frühzeitig auf die veränderten Gewohnheiten der Kunden im Umgang mit dem gedruckten Wort und mit Informationen reagiert. Es passte sowohl Sortiment als auch Vertriebskanäle an. So bewältige die Verlagsgruppe Weltbild die Herausforderung der zunehmenden Verlagerung des Versandgeschäfts ins Internet beispielhaft. Sie führte Onlinegeschäft, Katalogversandhandel und stationäres Geschäft zusammen und nutzt den klassischen Katalog heute nicht mehr als Verkaufskanal, sondern als Impulsgeber für Ladengeschäft und Internetshop. In einer schwierigen Zeit hat Weltbild auf eine konsequente Expansion gesetzt und dabei ein hohes Tempo vorgelegt. Markt und Kunden belohnen dies mit stetigem wirtschaftlichem Erfolg. Dazu kommt ein positives Image bei den Verbrauchern, das sich immer wieder in den verschiedensten Rankings bestätigt.
Ebenfalls mit dem Deutschen Handelspreis 2008 ausgezeichnet wurde die Foto-Video Sauter GmbH. Höchste Qualität in Angebot und Beratung haben das vor 60 Jahren gegründete Unternehmen zum größten Fotofachhändler in Deutschland werden lassen. In einem Markt, der stark von Discountern und Fachmärkten geprägt ist, hat sich Foto-Video Sauter klar positioniert und einen kontinuierlichen Wachstumskurs verfolgt. Belohnt wurde es mit Umsatz- und Ertragssteigerungen. Das Sortiment ist sowohl auf die klassische analoge Foto- und Videotechnik als auch auf neue digitale Aufzeichnungsmethoden ausgerichtet. Der Online-Handel gewinnt neben den Ladengeschäften immer mehr an Bedeutung. Zum Konzept des Unternehmens gehören Fotokurse und Workshops, Hausmessen und Aktionen mit Partnern aus der Industrie. Foto-Video Sauter habe Vorbildfunktion für die vielen inhabergeführten Unternehmen, die sich in einem starken Wettbewerb positionieren müssen, so die Meinung der Jury.
Innovationen im Handel
Am zweiten Kongresstag wurde der HandelsInnovationsPreis HIP verliehen. Gewinner ist die ‚Lieblings... Hergeht & Kleinert GmbH’, Fulda. Mit dem zum fünften Mal vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) und der Zeitschrift impulse im Rahmen des Deutschen Handelskongresses vergebenen Preis werden außergewöhnliche Einzelhandelsunternehmen mit innovativen, Erfolg versprechenden Konzepten ausgezeichnet. Das ‚Lieblings...’-Sortiment umfasst Mode, Kosmetik, Schmuck, Wohnen und Dekoration, Delikatessen und Floristik. Es setzt auf einen gelungen Produktmix aus exklusiven und noch unbekannten Marken, auf permanenten Sortimentswechsel, geringe Warenmengen, die Begehrlichkeit bei den Kunden wecken, und die regelmäßige Umgestaltung des Ladens, damit immer neue Erlebniswelten entstehen. Nach der erfolgreichen Einführung in Fulda will das Unternehmen nun die Marke ‚Lieblings...’ aufbauen und mit dem Geschäftskonzept expandieren.
Finalisten des H.I.P. sind das Bernkast’ler Fenster der Entwicklungsagentur Bernkastel-Kues e.V. sowie CAP der Lebensmittelpunkt der GDW SÜD, Genossenschaft der Werkstätten für behinderte Menschen Süd eG. Das Bernkast’ler Fenster ist ein Gemeinschaftsprojekt, in dem verschiedene Einzelhandelsgeschäfte, Winzer und Kunsthandwerker aus Bernkastel-Kues und Umgebung besondere regionale Produkte aus ihrem Sortiment anbieten. Die H.I.P.-Jury bezeichnete das Bernkast’ler Fenster als vorbildlich für viele mittlere Städte, um den inhabergeführten Einzelhandel zu fördern. Die Grundidee von CAP/GDW basiert auf der Beschäftigung von behinderten beziehungsweise benachteiligten Menschen im Lebensmitteleinzelhandel. Es wird als Kooperations- oder Franchisemodell mit Einrichtungen der Behindertenarbeit durchgeführt. Diese betreiben als Werksatt für Behinderte oder als Integrationsbetrieb die Lebensmittelmärkte. Heute gibt es bundesweit 64 CAP-Märkte. Für die Jury des H.I.P ist CAP/GDW ein wirtschaftliches Konzept mit Herz und Verstand.
Trends im Handel
Die anwesenden Referenten und Gäste diskutierten intensiv die aktuellen Trends im Handel. Dr. Eckhard Cordes, Vorsitzender des Vorstands der Metro Group berichtete, dass momentan die Kosten für Containerfracht von China nach Europa um 60 Prozent gefallen seien. Daran erkenne man, dass der Exportboom aus China nachlasse. Prof. Dr. Helmut Merkel, Mitglied des Vorstands Arcandor referierte anschließend über die „Weltfabrik China“. Auch er sieht die momentane Situation kritisch. Die Textilindustrie in China befinde sich in einem großen Veränderungs- und Verlagerungsprozess. Auch von plötzlichen Fabrikfluchten, bei denen am morgen die Beschäftigten plötzlich vor einer von den Chefs verlassenen Fabrik stehen, berichtete er. Trotzdem warnt vor Merkel vor „Hau-Ruck-Aktionen“. 50 Prozent der weltweiten Textilproduktion finde momentan in China statt. Schon eine Verlagerung von nur 5 Prozent könnte kapazitätstechnik überhaupt nicht aufgefangen werden.
Auch eine aktuelle Studie zur Lieferkette von Handelsunternehmen liegt vor. Sie wurde durchgeführt von der Unternehmensberatung ZLU in Zusammenarbeit mit dem Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE). Die Studie analysiert detailliert die Supply-Chain-Strukturen von Unternehmen aus den Bereichen Einzel-, Fach-, Versand- und Großhandel sowie Franchiseunternehmen und überprüft sie hinsichtlich ihrer zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit. Der entscheidende Top-Trends dieser Studie lautet: Der Handel wird die gesamte Supply-Chain von der Beschaffung bis hin zum Regal steuern. Als Pseudotrends wurden dagegen RFID und Outsourcing entlarvt.
Neuer HDE-Vorstand
Im Rahmen des Handelskongresses wurde auch zwei neue Mitglieder in den Vorstand des HDE gewählt. Für die zurückgetretenen Vorstände Erich Vorwohlt und Alfons Frenk wurden Michael Krines und Markus Mosa gewählt. Krines ist Inhaber des Textileinzelhandelsgeschäfts ‚Franziska Krines GmbH’ in München und Präsident des Landesverbands des Bayerischen Einzelhandels (LBE). Mosa ist Vorstandssprecher der Edeka Zentral AG. Er war bereits seit Juli 2008 kooptiertes Vorstandsmitglied.
Der nächste Handelskongress findet am 17. und 18. November wieder im Estrel in Berlin statt.
Link: www.einzelhandel.de
Link: www.handelskongress.de
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