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Direkt importieren ist ja so einfach! – Wirklich?
Im Einkauf liegt der Gewinn, so eine häufig verwendete Aussage vieler Unternehmer. Doch wo sind sie zu finden, die günstigen Einkaufsquellen? Nahe liegend ist es, an das Ursprungsland der meisten Erzeugnisse aus dem Konsumgüterbereich der Nonfoodartikel zu denken: China. Doch wann lohnt sich der direkte Import von Waren aus diesem Land? Hubert Wanner hat sich auf der Suche nach Antworten auf diese Frage auf den Weg nach China gemacht. Ein Erfahrungsbericht von Hubert Wanner.
Eine Riese nach China muss langfristig geplant werden – nicht zuletzt deshalb, weil man im Vorfeld ein Visum für die Einreise beantragen müssen. Dafür muss man sich genau darüber im Klaren sein, wo man in China überhaupt hin will. Messen bieten sich beispielsweise an, die Showrooms der Hersteller oder Handelsunternehmen, oder der direkte Besuch beim Produzenten. Sind Sie sich darüber im Klaren, können Sie Ihren Flug und das Hotel buchen. In den vergangenen Jahren sind viele sehr gute Hotels in China entstanden, die dem internationalen Standard in nichts nach stehen. Auch bei den Preisen: Vor allem zu Messezeiten werden die Preise deutlich angehoben.
Meine Reise führte mich zunächst nach Ningbo, wo ich vier Showrooms verschiedener Handelsunternehmen besuchte. Diese Showrooms hatten Größen von bis zu 2000 Quadratmetern mit einem entsprechend umfangreichen Angebot. Bis zu 100.000 Artikel und mehr werden dort präsentiert. Wer nicht mit klaren Vorstellungen darüber anreist, was er überhaupt kaufen möchte, kann alleine mit der Suche einen ganzen Tag in einem einzigen Showroom verbringen.
Anderentags ging es weiter mit dem Besuch von drei Produktionsstätten. Da die Präsentationsräume dort nicht ganz so groß sind, wie die der Handelsunternehmen, fällt die Orientierung etwas leichter, was aber auch daran liegt, dass dort vorwiegend eine einzige Warengruppe hergestellt wird. Dennoch können Sie auch hier viel Zeit verbringen: Welches Design, welche Qualitätsstufe brauche ich überhaupt? Und damit sind nur zwei Fragestellungen angerissen.
Riesige Auswahl auf Messen
Weiter ging es nach Yiwu, wo ich eine Dauerausstellung besuchte, die das ganze Jahr über täglich von 9 bis 16.30 Uhr geöffnet ist. Hier präsentieren 60.000 (!) Aussteller ihre Angebote in vier Hallen auf fünf Ebenen. Und wem das noch nicht reicht, der kann in der näheren Umgebung weitere 40.000 Firmen besuchen, die sich dort angesiedelt haben.
Zwei Tage später ging es weiter noch Guanghzou (dt. Kanton), dort findet im April immer die bekannte chinesische Import- und Export-Messe – im allgemeinen Sprachgebrauch die Kantonmesse statt. Dort präsentieren sich in 16 Hallen über 6000 Aussteller mit knapp 16000 Ständen ihre Waren. Eine riesige Auswahl von Artikeln aus über 10 Sortimentsbereichen können auf dieser Messe begutachtet werden. Innerhalb der Warengruppen sind bei gleichen Artikeln bis zu 50 Prozent Preisunterschied keine Seltenheit. Welcher Hintergedanke einen Chinesen allerdings dazu verleitet hat, eine Wäschespinne mit dem Artikelnamen Jürgen anzubieten, das blieb mir verborgen.
Wenn Sie das Reich der Mitte bereisen wollen, sollten Sie sich darüber im Klaren sein, dass kaum ein Chinese Deutsch, geschweige denn Englisch spricht, und wenn er Fremdsprachenkenntnisse haben sollte, dann sind die eher bescheiden. Sofern Sie der chinesischen Sprache nicht mächtig sein, empfiehlt es sich, besser einen Dolmetscher einzuschalten.
Rechtliche Vorgaben beachten
Ein weiteres Hindernis vor dem Import chinesischer Waren auf den europäischen Markt ist, dass diese den gesetzlichen europäischen und deutschen Vorgaben entsprechen. Hierzu nur als Beispiele die Lebensmittelverordnung, die Feuerzeugverordnung oder die REACH- und RoHS-Verordnung. Gleiches gilt für das Design, auch hier ist es wichtig abzuklären, ob dieses nicht schon geschützt ist und sich dies auch durch die entsprechenden Zertifikate bestätigen lassen. Sonst könnte der Verkauf in Deutschland zu mancher unliebsamer Überraschung führen. Informieren Sie sich auch darüber, ob die nach Deutschland zu importierende Ware mit Zoll belegt ist. So werden beispielsweise Wachswaren aus China im Moment mit 15 Prozent Antidumpingzoll belegt. Das wirkt sich erheblich auf den Einkaufspreis aus.
Haben Sie das alles erledigt, ist mit dem Verkäufer noch abzuklären, wie Ihre eigene Verpackung auszusehen hat. Wo soll Ihr Barcode angebracht werden und mit welchem Material sollen die Produkte verpackt werden. Hier steckt der Teufel im Detail: Beispielsweise eine Blisterverpackung mit zwei Stück Inhalt und nicht mit vier Teilen wie angeboten. Jetzt ist sich um den Kartoninhalt zu kümmern: Wird jedes Produkt einzeln verpackt, weil es letztlich online vertrieben werden soll oder reicht die Verpackung von mehreren Artikeln in einem Karton. Daraus ergibt sich dann die Frage, wie viele Innenkartons insgesamt benötigt werden. Machen Sie sich dabei auch gleich Gedanken über das Volumen: Wie viele Kubikmeter ergibt die gesamte Ware? Denn auch ein ein Container hat nur einen begrenzten Inhalt. Darauf ist zu achten, wenn Sie verschiedene Artikel zusammenstellen und zusammen in einem Container transportieren wollen. Haben Sie dies alles geschafft, klären Sie ab, in welchen Hafen die Ware verschifft werden soll. Das sollten Sie dann Ihrem Spediteur mitteilen, wenn Sie sich um Transport, Verzollung und Lieferung an Ihr Lager nicht auch noch selbst kümmern wollen. Auch das kostet natürlich Geld, welches Sie auf die Beschaffungspreise oben auf schlagen müssen. Denn die angegebenen Preise sind meist „FOB“, was „Free on board“ heißt und bedeutet, dass der Hersteller dafür sorgt, dass die Ware aufs Schiff kommt – und nicht weiter.
Nun geht es noch um die Bezahlung der Ware. Üblich sind 30 Prozent Anzahlung bei Produktionsauftrag, die restlichen 70 Prozent bei der Verschiffung. Die allgemein anerkannte Währung ist meist US-Dollar. Deshalb sollten Sie den aktuellen Wechselkurs immer im Auge behalten.
Festzuhalten ist, wenn die Ware dann nach vier Monaten bei Ihnen ist, bleibt bis dorthin noch ein kleines Restrisiko - ganz eilige können natürlich auch per Luftfracht liefern lassen, was sich jedoch erheblich auf die Transportkosten auswirkt. In der Regel werden deshalb nur Produktmuster mit Luftfracht versendet. Beim Ankommen der Ware empfiehlt sich eine eingehende Eingangsprüfung: Entspricht die gelieferte Ware dem Muster und der Qualität wie geordert wurde? Sind die Mengen richtig und vor allem kam die Ware unversehrt an? Wenn nicht, versuchen Sie einmal, in China einen Rechtsstreit zu führen. Deshalb empfiehlt es sich, in China jemanden dafür zu beschäftigen, der überprüft, ob die Produkte dem Muster beziehungsweise den Anforderungen entsprechen.
Auch die Zeitfrage ist wichtig: Wer Trend- oder Saisonartikel bestellt, muss dies rechtzeitig tun, damit sie rechtzeitig geliefert werden. Sonst sind der Trend oder die Saison schon wieder vorbei. Denn der Zeitgeist ist flüchtig und seine Halbwertszeit in der Regel von erschreckender Kürze.
Also die Rechenmaschine anwerfen und wirklich genau kalkulieren, wenn Sie sich mit dem Thema Direktimport aus China auseinander setzen wollen. In manchen Fällen werden Sie feststellen, dass der direkte Import nicht günstiger ist als die Beschaffung bei einem versierten Importeur.
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