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Small Talk – das kleine Gespräch mit der großen Wirkung
Eins vorweg: Besonders witzig brauchen Sie nicht zu sein. Besonders originell auch nicht. Ein guter Schauspieler? Bloß nicht. Was aber sollten Sie stattdessen können? Vom Ibiza-Urlaub schwärmen, die Staus auf den Autobahnen beschimpfen, den leckeren Cappuccino loben! Ja, und weiter? Nichts weiter. Das ist im Prinzip schon alles. Dann beherrschen Sie die hohe Kunst des Small Talks und damit einen der wichtigsten Bausteine für Kontakte und somit auch Erfolg. Ein Bericht von Gerhard Reichel.
Legendärer Glanzpunkt der Karriere von Günther Jauch war die Moderation des Champions-League-Spiels Real Madrid gegen Borussia Dortmund am 1. April 1998. Das Spiel verzögerte sich um 76 Minuten, in denen ein umgefallenes Tor wieder aufgestellt wurde. Diese Zeit wurde von Jauch und Marcel Reif so unterhaltsam überbrückt, dass die Einschaltquoten höher blieben als beim nachfolgenden Spiel. Small Talk pur.
Massenphänomen Schüchternheit
Woher kommt es aber, dass Small Talk so vielen Menschen Schwierigkeiten macht? Meistens steckt Schüchternheit dahinter. Eine berühmte Studie in den USA von Philip G. Zimbardo, einem amerikanischen Psychologen, hat ergeben:
51 Prozent aller Menschen haben Angst, in der Öffentlichkeit zu sprechen
48 Prozent meiden jeden Kontakt mit anderen, der nicht zwingend erforderlich ist.
35 Prozent haben Versagensängste.
Fazit 1: Schüchternheit ist ein Massenphänomen. Deshalb: Wer sich nicht traut, Kontakt aufzunehmen, kann mit Verständnis rechnen. Anderen geht es genauso.
Fazit 2: Wenn Sie im Laufe eines Abends mit zwei Leuten Bekanntschaft schließen, treffen Sie (nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit) auf mindestens eine Person, die für Ihre Kontaktaufnahme dankbar ist. Deshalb: verlieren Sie Ihre Scheu, andere Menschen anzusprechen. Mit Ihrer Kontaktaufnahme signalisieren Sie ihnen:
„Ich interessiere mich für Sie.“
„Sie sind mir sympathisch.“
„Ich möchte Sie näher kennen lernen.“
Die meisten Menschen haben kein Problem damit, über ihren Beruf zu reden. Das Fachwissen gibt ihnen Sicherheit. Unwohl fühlen sie sich, wenn sie über Dinge reden müssen, die nichts mit ihrem Fach zu tun haben. Auf Kongressen, Partys und Stehempfängen, wenn sie Unbekannte kontaktieren möchten, bringen sie keinen Ton heraus. So verpassen sie viele Chancen, neue, interessante Menschen kennen zu lernen. Das ist schade. Denn Kontakte sind die Basis für den Erfolg. Small Talk ist darum fundamental wichtig für die Karriere.
Was also heißt Small Talk? Small Talk ist ein lockeres Gespräch über interessante Themen mit dem Ziel, dass sich alle Beteiligten wohl fühlen. Small Talk ist:
• der Anfang jeden Kontaktes.
• Voraussetzung zum Netzwerken.
• ein kleines Gespräch mit großer Wirkung.
Was heißt „Small Talk“ also nicht?
• Akustischer Sperrmüll
• Seichtes Geschwätz
• Blabla.
Warum also nicht über das Wetter oder die Anreise reden? Das ist Ihnen zu banal? Falsch! Es gibt keine oberflächlichen Themen, nur oberflächliche Menschen.
Fünf „Atmosphärische Eisbrecher“
Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie sind auf einem Kongress. Dort begegnen Sie vor dem Lift dem Geschäftsführer einer Firma, den Sie gern als Kunden hätten. Ihr Hirn arbeitet fieberhaft: Was könnte ich Geistreiches sagen? Mehr als ein schüchternes „Guten Tag“ fällt Ihnen aber nicht ein. Der andere verabschiedet sich von Ihnen mit einem kurzen Kopfnicken. Sie ärgern sich. Es ist im Grunde so leicht, mit anderen ins Gespräch zu kommen – vorausgesetzt, es gelingt Ihnen, das Eis zu brechen.
Eisbrecher Nr. 1: Das Kompliment
Erinnern Sie sich an den letzten Besuch eines Versicherungsvertreters? Hat er Sie gleich bestürmt: „Ich habe da ein ganz tolles neues Produkt!“ Wahrscheinlich erwähnte er Ihre tolle Wohngegend, bewunderte die geschmackvolle Einrichtung, streichelte Ihren Hund und erzählte Ihnen, dass sein eigener Vierbeiner Secco heißt. Mit diesem Einstieg hatte er relativ sicher Ihre Sympathien gewonnen.
Begegnet nicht jeder von uns gerne Menschen, die ihn durch ein Kompliment in eine gute Stimmung versetzen und für ein angenehmes Gesprächsklima sorgen? Schon Mark Twain wusste: „Von einem guten Kompliment kann ich zwei Monate leben.“ Wir Deutschen tun uns schwer mit Loben und sind deshalb auch, was verbale Nettigkeiten anbelangt, eher zugeknöpft. Eines sollten Sie bei Komplimenten in jedem Fall beachten. Sie sollen:
• aufrichtig gemeint sein,
• nicht zu dick auftragen, denn wer übertreibt, wirkt unglaubwürdig,
• bei anderen keine Neidgefühle hervorrufen.
Eisbrecher Nr. 2: Gemeinsamkeiten hervorheben
Bitte rufen Sie sich immer wieder in Erinnerung: Menschen sind verschieden. Jeder sieht die Welt durch seine Brille. Akzeptieren Sie deshalb, dass jeder einfach ein Recht darauf hat, anders zu denken, anders zu fühlen, anders zu handeln als Sie selbst. Bleiben Sie deshalb im Smalltalk so lange wie möglich bei den Gemeinsamkeiten und umgehen Sie alles Trennende. Das Diskutieren über Meinungsverschiedenheiten löst unweigerlich ein wechselseitiges Argumentieren aus. Jeder versucht den anderen von seinen Ansichten zu überzeugen. Schnell beißen Sie sich in einem Streit fest. Tabuthemen sind deshalb alles, was polarisiert, also Krankheit, Krise, Politik oder Religion.
Eine Binsenweisheit der praktischen Psychologie lautet: Nicht einmal Zwillinge sind in ihrer Persönlichkeit hundertprozentig identisch. Umgekehrt bedeutet das: Es gibt keine zwei Leute, und seien sie noch so verschieden, die nicht wenigstens in einigen Punkten übereinstimmender Auffassung sind. Selbst ein sechzigjähriger Manager und eine sechzehnjährige Punkerin könnten sich zum Beispiel darauf einigen.
Gerhard Reichel, Institut für Rhetorik, Forchheim, hat sich in mehr als 30 Jahren einen exzellenten Ruf als Rhetorik-Trainer erarbeitet. Unternehmer, Politiker und Führungskräfte schätzen das Know-how und die Persönlichkeit des mehrfachen Buchautors und gefragten Referenten. Sein 1975 gegründetes Institut für Rhetorik zählt mittlerweile zu den ersten Adressen Deutschlands. Die Teilnehmer lernen, in Kleingruppen souverän zu kommunizieren, lebendig zu reden und gehen damit als Persönlichkeit gestärkt neue Wege.
www.gerhardreichel.de
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